Nils Kirchgeßner
"Und warum spielen Sie Theater ?!".
Er saß in kunstblutverschmierter Feinrippunterwäsche in einer Art Verhör, nachdem er ungefähr siebzig Minuten lang frierend und apathisch in einer Ecke stand (oder auch kauerte), um anschließend 3 Minuten und 43 Sekunden Zeit hatte, um auf jemanden zuzugehen, diesen mit roten Bändern zu umwickeln, seine Hand zu nehmen und glücklich ins Publikum zu schauen.
Diese Frage, gestellt von einem bavarischen Kabarettisten, traf ihn nicht unvorbereitet:"UmdieMöglichkeitzunutzen michinanderePersönlichkeitenhineinzuver setztenundumdemPublikumEmotionenzuentloc ken,...Sir !", antwortete er, wobei er sich die Anrede nur dachte. Tatsächlich hatte er sich schon früh diese Frage gestellt, beziehungsweise, nach seiner kurzen und leider (?) gescheiterten Karriere als Musicalstar (aber das liegt schon lange Zeit zurück), beantworten können.
Nun, seit er im Dezember 2008 ein Teil der Theatergruppe RAMPIG geworden war, durfte er sich im Laufe der Zeit mit einer neuen Erfahrung bereichern: Er, ein Sportverein- und Gruppenzugehörigkeitsverachter kam letztendlich zu der Erkenntnis, dass er sich in diesen bunt gemischten, zusammengewürfelten Haufen unterschiedlichster Persönlichkeiten (kurz: RAMPIG) hoffnungslos verliebt hatte...!
Uns so beschloss er, lange nachdem ihm diese Frage von jenem bavarischen Kabarettisten gestellt wurde, die Antwort durch einen Anhang zu erweitern: "...ich spiele Theater, weil mich dieser Haufen liebenswürdiger Menschen mit einem Virus infiziert hat, für den es hoffentlich nie ein Gegenmittel gibt ! Ich spiele Theater, weil ich RAMPIG bin... !!!"
Leider gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Hier ein Auszug aus dem Internetforum "Selbsthilfegruppe für RAMPIG-Abhängige", kurz nach einem Probewochenende:
"hallo mein name ist nils...und ich...bin süchtig.
durch unglückliche umstände bin ich im dezember in kreise gekommen, in denen exzessiv RAMPIG konsumiert wird. zu beginn hab ich es natürlich auch ausprobiert und wollte es bei einem sehr unregelmäßigen und seltenem kosum belassen. nun geschah es aber, dass ich in den letzten wochen immer häufiger RAMPIG zu mir nahm, was vereinzelt zu völligem realtitätsverlust und schizophrenen anwandlungen führte. vor allem letztes wochendene kam ich extrem intensiv mit RAMPIG in kontakt und obwohl es meinem körper und geist schadete wollte ich immer mehr und fuhr mir eine ladung nach der anderen, da ich bereits so abhängig von dem gefühl, das man dabei verspürt geworden war...
jetzt aber, wo ich einem zwangsentzug unterliege halte ich es ohne RAMPIG fast nicht mehr aus. ich leide unter schlafstörungen oder wache nachts schweißgebadet auf, aus angst nie wieder einen schuss RAMPIG zu mir nehmen zu können. außerdem, sind da diese gefühle der leere und ich muss mich ständig übergeben und habe durchfall. auch substitutionsmittel, wie RAMPITEX oder RAMPIDON haben keine wirkung gezeigt. ich weiß nicht ob ich diesen RAMPIG-Entzug bis donnerstag, an dem es hoffentlich neues RAMPIG für mich gibt, durchstehe...
tja, das sind meine erfahrungen, die ich mit RAMPIG gemacht habe.... und ich...ich...rate euch...
WAAAAHHHH........ NEHMT ES AUCH, DAS ZEUG IST DER HAMMER .....whoaaaaahuuuuuuuuuuu !!!
......... entschuldigt, dass ist der entzug...(räusper)
kann mir jemand irgendwelche tipps geben, wie ich diesen kalten entzug hinter mich bringe ohne zu krepieren ?"
